Ich habe ja schon viele Berge gesehen. Die hohen, spitzen in der Tatra. Die grünen, sanften in den Bieszczady. Aber was ich letztes Wochenende gesehen habe, das fällt definitiv in die Kategorie: „Hat hier ein Riese mit Lego gespielt?“
Ich war im Heuscheuergebirge (Góry Stołowe).
Das liegt im Glatzer Bergland (Kotlina Kłodzka), direkt an der tschechischen Grenze. Und der Name ist Programm: Die Berge sind oben flach wie ein Tisch („Stoł“ heißt Tisch).
Aber das Verrückte sind nicht die flachen Gipfel, sondern das, was darauf passiert. Es ist eine Welt aus bizarren Sandstein-Formationen, engen Spalten und Felsen, die aussehen wie Affen, Hühner oder Pilze.
Wenn ihr euch fühlen wollt wie in einem Fantasy-Film, dann müsst ihr hier hin. Hier ist mein Bericht aus dem steinernen Irrgarten!
🎬 Błędne Skały: Verloren im Labyrinth (Narnia lässt grüßen!)
Mein erstes Ziel waren die Błędne Skały (Wilde Löcher).
Schon die Anfahrt über die Serpentinenstraße ist ein Erlebnis. Oben angekommen, zahlst du Eintritt in den Nationalpark und dann… verschluckt dich der Fels.
Es ist ein natürliches Labyrinth aus Sandstein. Man läuft auf Holzstegen durch Spalten, die manchmal so eng sind, dass man den Bauch einziehen muss (gut, dass ich beim Frühstück auf das zweite Brötchen verzichtet habe!). Die Felsen sind meterhoch, mit Moos bewachsen und haben Formen, die echt die Fantasie anregen.
Kein Wunder, dass hier Teile von „Die Chroniken von Narnia“ gedreht wurden. Du wartest eigentlich nur darauf, dass Herr Tumnus, der Faun, um die Ecke springt.
Es ist dunkel, es ist kühl (auch im Sommer Jacke mitnehmen!), und es macht einen Riesenspaß, sich dort durchzuzwängen. Für Kinder ist das der absolute Abenteuerspielplatz, aber ich hab mich mit meinen 30+ Jahren genauso gefreut.
⛰️ Szczeliniec Wielki: Der höchste Tisch Polens
Natürlich musste ich auch auf den höchsten Gipfel: Den Großen Heuscheuer (Szczeliniec Wielki).
Der Aufstieg besteht aus hunderten von Steinstufen. Man schnauft ordentlich, aber der Weg ist super ausgebaut.
Oben angekommen, steht man auf einem riesigen Plateau. Der Ausblick? Phänomenal. Man guckt weit rüber nach Tschechien und ins Riesengebirge.
Aber auch hier oben geht die Show weiter. Es gibt Felsen, die heißen „Großvaterstuhl“, „Mammut“ oder „Höllenschlucht“.
Der Abstieg führt durch die sogenannte „Hölle“ (Piekło). Das ist eine tiefe Schlucht, wo selbst im Hochsommer manchmal noch Schnee liegt. Gruselig und faszinierend zugleich.
Mein Tipp: Oben auf dem Berg gibt es eine Berghütte (Schronisko), die aussieht, als würde sie gleich die Klippe runterfallen. Setzt euch auf die Terrasse, trinkt einen Tee und genießt den Nervenkitzel.
💀 Die Schädelkapelle in Czermna: Gänsehaut-Garantie
Okay, jetzt wird’s düster. Und ich meine wirklich düster.
Ein paar Kilometer weiter, im Kurort Kudowa-Zdrój (Bad Kudowa), steht eine kleine, unscheinbare Kirche: Die Schädelkapelle (Kaplica Czaszek) in Czermna.
Ich bin rein und mir ist das Blut in den Adern gefroren.
Die Wände und die Decke sind bedeckt mit 3.000 echten menschlichen Schädeln und Knochen. Im Keller liegen nochmal 20.000.
Das war das Werk eines Priesters im 18. Jahrhundert, der die Knochen von Opfern aus dem 30-jährigen Krieg und von Seuchen gesammelt hat.
Es ist keine Geisterbahn, sondern ein „Memento Mori“ – eine Erinnerung daran, dass wir alle sterblich sind.
Man darf drinnen keine Fotos machen (Respekt und so), und das ist auch gut so. Man steht da, starrt in diese leeren Augenhöhlen und wird ganz, ganz still. Ein krasses Erlebnis, das man nicht vergisst.
⛏️ Goldrausch in Złoty Stok
Um die Stimmung wieder etwas aufzuhellen, bin ich danach noch zur Goldmine in Złoty Stok (Reichenstein) gefahren.
Das ist Entertainment pur. Man fährt mit einer kleinen orangenen Bahn in den Berg, sieht den einzigen unterirdischen Wasserfall in Polen und lernt, wie man Arsen und Gold abgebaut hat.
Der Guide war super witzig und hat uns Geschichten von gierigen Bergleuten und Geistern erzählt. Am Ende konnte man sogar Gold waschen (ich bin leider nicht reich geworden, verdammt!).
🐟 Forelle Müllerin Art: Ein Muss im Glatzer Land
Die Region ist bekannt für ihre vielen Fischteiche. In fast jedem Dorf gibt es eine „Smażalnia Ryb“ (Fischbraterei).
Ich habe mir in Kłodzko (Glatz) – übrigens eine wunderschöne Stadt mit einer riesigen Festung und einer Brücke, die aussieht wie die kleine Schwester der Karlsbrücke in Prag – eine Forelle (Pstrąg) bestellt.
Frisch aus dem Teich, in Butter gebraten, mit Kartoffeln und Dill. Simpel, aber so gut, dass ich den Teller fast abgeleckt hätte.
Das perfekte Abenteuer-Wochenende
Das Heuscheuergebirge ist für mich einer der spannendsten Orte in Polen, weil es so anders aussieht. Es ist nicht einfach nur „Berg hoch, Berg runter“. Es ist Klettern, Staunen, Gruseln und Genießen auf engstem Raum. Es liegt super nah an der Grenze, also perfekt für einen Kurztrip.
Wart ihr schon mal in einem Felsenlabyrinth? Und hättet ihr euch in die Schädelkapelle getraut? Seid ehrlich!
Bis zum nächsten Felsen