Manchmal werde ich gefragt, warum ich immer wieder nach Polen fahre.
Ich antworte dann irgendwas mit Natur, Essen, Städten, Menschen.
Aber das ist nicht die Wahrheit.
Die Wahrheit ist:
Polen fühlt sich anders an.
Es ist das Tempo
In Polen muss nichts perfekt sein.
Es reicht, wenn es funktioniert.
Der Kaffee kommt vielleicht eine Minute später.
Der Zug hat vielleicht fünf Minuten Verspätung.
Aber niemand macht daraus ein Drama.
Und genau das nimmt Druck raus.
Aus dem Alltag. Aus dem Kopf.
Es sind die kleinen Begegnungen
Ein Nicken im Treppenhaus.
Ein Lächeln im Zug.
Jemand, der dir hilft, obwohl ihr keine gemeinsame Sprache habt.
Nicht laut. Nicht aufgesetzt.
Einfach menschlich.
Ich habe mich in Polen oft willkommen gefühlt, ohne dass mir jemand das Gefühl gegeben hat, Gast zu sein.
Es ist die Mischung aus alt und neu
Polen versucht nicht, etwas zu verstecken.
Geschichte steht neben Moderne.
Narben neben Aufbruch.
Eine alte Fabrik wird zur Bar.
Ein grauer Block bekommt Farbe.
Eine Stadt darf sich verändern, ohne sich zu entschuldigen.
Das fühlt sich ehrlich an.
Es ist die Ruhe, wenn man sie braucht
Ein See in den Masuren.
Ein leerer Strand an der Ostsee.
Ein verschneiter Wald im Winter.
Polen kann laut sein.
Aber es kann auch still – und zwar richtig.
Und diese Stille ist nicht leer.
Sie ist wohltuend.
Warum ich immer wieder zurückkomme
Ich komme nicht zurück, weil ich alles gesehen habe.
Sondern weil ich mich dort nicht verliere.
Polen erinnert mich daran, dass Reisen nicht immer Erlebnis bedeutet.
Manchmal bedeutet es einfach: sein dürfen.
Polen ist kein Ort, den man „abhakt“.
Es ist ein Land, in das man hineinwächst.
Je öfter man da ist,
desto weniger sucht man Sehenswürdigkeiten
und desto mehr findet man sich selbst ein kleines Stück wieder.
Und vielleicht ist genau das der Grund,
warum ich jedes Mal denke:
Bis bald.