Glück auf, Freunde!
Okay, ich gebe es zu. Ich bin eigentlich kein Fan von Orten, wo man in einer Herde von Touristen durchgeschleust wird. Wenn ich Busse sehe, will ich meistens wegrennen.
Aber beim Salzbergwerk Wieliczka (direkt bei Krakau) haben mir so viele Leute gesagt: „Alex, du musst das sehen. Es ist nicht von dieser Welt.“
Also habe ich meine Platzangst runtergeschluckt, mir ein Ticket gekauft und bin in den Untergrund abgetaucht.
Und was soll ich sagen? Es war eines der krassesten Erlebnisse meines Lebens. Vergesst Tropfsteinhöhlen. Das hier ist eine Kathedrale, ein Museum, ein Sanatorium und ein Abenteuerspielplatz – alles hunderte Meter unter der Grasnarbe.
Hier ist mein Bericht aus der Tiefe – inklusive Geschmackstest (ja, ich habe an der Wand geleckt!).
📉 Der Abstieg: Treppensteigen für Fortgeschrittene
Der Spaß beginnt mit Treppen. Vielen Treppen.
Man läuft in einen Schacht und geht im Kreis nach unten. 380 Stufen am Stück (insgesamt sind es später über 800!).
Mir wurde kurz schwindelig vom Drehen, aber die Luft wird mit jedem Meter besser.
Unten angekommen bist du auf Ebene 1 (64 Meter tief).
Die Luft da unten ist… anders. Kühl (konstant ca. 14-15 Grad, also Jacke nicht vergessen, auch im Hochsommer!), aber unglaublich frisch und salzig. Man merkt sofort, wie die Lunge aufgeht. Kein Wunder, dass die hier unten sogar ein Kurzentrum haben für Leute mit Asthma.
⛪ Die St. Kinga Kapelle: Der absolute Wahnsinn
Man läuft durch endlose Gänge (Stollen), sieht alte Maschinen und Salzseen. Das ist schon cool.
Aber dann kommst du in die Kapelle der Heiligen Kinga.
Leute, mir ist die Kinnlade runtergefallen.
Stellt euch eine riesige Kirche vor. So groß wie eine Turnhalle.
Und ALLES darin ist aus Salz gehauen.
Der Boden? Salz. Die Reliefs an den Wänden (da ist das „Letzte Abendmahl“ nachgebaut!)? Salz. Der Altar? Salz.
Und das Verrückteste: Die riesigen Kronleuchter an der Decke. Die Kristalle daran sehen aus wie Glas, sind aber pures, reines Salz.
Ich stand da oben auf der Empore und musste mich echt kneifen. Dass Bergleute das in ihrer Freizeit über Jahrzehnte aus dem Fels gehauen haben, ist einfach unbegreiflich. Wenn ihr hier kein Foto macht, glaubt euch das zuhause keiner.
👅 Der Geschmackstest: Schmeckt die Wand?
Der Guide (man muss eine Führung machen, alleine darf man nicht rein) hat irgendwann gesagt: „Ja, Sie dürfen mal probieren.“
Was macht Alex? Alex sucht sich eine Stelle an der grauen Wand (sieht aus wie Stein, ist aber Steinsalz) und leckt dran.
Ergebnis: Salzig. Wer hätte es gedacht! 😂
Aber im Ernst, es ist faszinierend. Alles um dich herum ist Salz. Man fühlt sich wie in einem riesigen Shaker.
Aber bitte leckt nicht an den Statuen, das sehen die Guides nicht so gerne!
👷♂️ Für Abenteurer: Die Bergmannsroute (Trasa Górnicza)
Jetzt kommt mein Geheimtipp für alle, die keinen Bock auf die Standard-Touristen-Route haben.Es gibt nämlich noch eine zweite Tour: Die Bergmannsroute. Die startet an einem anderen Schacht (Regis-Schacht). Da kriegt ihr keine bunten Lichter und Kapellen zu sehen. Nein, da kriegt ihr einen grauen Overall, einen Helm und eine Grubenlampe.
Ich habe das beim zweiten Besuch gemacht (ja, ich war zweimal da). Man fühlt sich wie ein echter Kumpel. Man muss durch enge Schächte kriechen, man darf selber Salz abbauen und man misst den Methangehalt in der Luft.
Das ist interaktiv, dreckig und macht mega Bock. Man ist in viel kleineren Gruppen unterwegs und erlebt das Bergwerk so, wie es wirklich war.
Wer keine Angst vor Dunkelheit und engen Räumen hat: Macht unbedingt DAS!
🚇 Der Aufzug: Nichts für schwache Nerven
Nach gut zwei bis drei Stunden Wanderung unter Tage (man läuft gut 3 Kilometer!) will man wieder hoch.
Wer jetzt dachte, man muss die Treppen wieder hochlaufen: Keine Panik.
Es geht mit dem Aufzug rauf.
Aber das ist kein Aufzug wie im Hotel. Das ist ein echter Bergwerks-Korb. Man wird da reingepfercht wie die Sardinen (kuscheln mit Fremden inklusive), es ist dunkel, es rattert und es geht verdammt schnell nach oben.
Ein letzter Adrenalin-Kick, bevor man oben blinzelnd wieder in die Sonne tritt.
🎒 Praktische Tipps von Alex
- Tickets vorher buchen! Wieliczka ist extrem beliebt. Wenn ihr spontan hingeht, steht ihr im Sommer stundenlang in der Schlange. Bucht online eure Zeitfenster.
- Sprache: Es gibt Führungen auf Deutsch, Englisch, Polnisch und zig anderen Sprachen. Checkt die Uhrzeiten für die deutschen Touren.
- Schuhe: Zieht bequeme Treter an. Ihr lauft viel. Flip-Flops sind hier unten eine ganz dumme Idee.
- Anfahrt: Von Krakau aus fährt ein Zug (Koleje Małopolskie) in 20 Minuten direkt bis vor die Tür. Super easy und billig.
Touri-Hotspot? Ja. Lohnt es sich? JA!
Ich war skeptisch. Aber Wieliczka ist zu Recht UNESCO-Erbe. Diese Dimensionen da unten kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat. Es ist eine magische Welt. Ob ihr nun die glitzernde Kapelle auf der Touristenroute sehen wollt oder im Overall durch den Schlamm kriechen wollt – ihr werdet diesen Tag nicht vergessen.
War von euch schon mal wer unten? Habt ihr auch an der Wand geleckt oder war ich der Einzige? 😅