Moin liebe Ostsee-Fans!
Wenn ihr euch die Landkarte von Polen anguckt, seht ihr ganz oben im Norden so einen dünnen, krummen Finger, der sich in die Danziger Bucht streckt. Man nennt ihn auch liebevoll den „Kuhschwanz“ von Polen.
Die Halbinsel Hel (Hela) ist an manchen Stellen gerade mal 200 Meter breit. Auf der einen Seite hast du die raue, offene Ostsee, auf der anderen Seite die ruhige Puckabucht.
Ich war letztes Wochenende da und ich sag euch: Schmeißt eure Anzüge weg, kauft euch Flip-Flops und packt die Badehose ein. Das hier ist nicht einfach nur ein Urlaubsort, das ist ein absoluter Lifestyle!
Hier ist mein Guide für den chilligsten Ort Polens – inklusive Surfer-Vibes, süßen Robben und einem genialen Trick für die Anreise.
⛴️ Die Anreise: Mach bloß nicht diesen Anfängerfehler!
Okay, fangen wir mit dem wichtigsten Tipp überhaupt an.
Auf die Halbinsel führt genau eine Straße (und eine Bahnstrecke). Im Sommer, wenn halb Polen ans Meer will, ist diese Straße ein einziger, gigantischer Parkplatz. Wenn du da mit dem Auto reinfährst, verbringst du deinen ersten Urlaubstag fließend schwitzend hinterm Lenkrad.
MeinGeheimtipp: Lass das Auto in Danzig, Sopot oder Gdynia stehen!
Ich habe mir am Hafen von Danzig ein Ticket für die Fähre (Wasserbahnk) nach Hel gekauft (auch „Tramwaj wodny“ genannt). Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden. Du stehst an Deck, lässt dir den Wind um die Nase wehen, fährst an der Küste entlang und kommst völlig tiefenentspannt direkt im Hafen von Hel (der Stadt ganz am Ende der Halbinsel) an. Das ist schon der erste Urlaubstag für sich!
Wer trotzdem fahren muss: Nehmt den Zug. Der fährt die ganze Halbinsel ab und hält in jedem Kaff.
🪁 Chałupy & Jastarnia: Wo der Wind dein bester Freund ist
Sobald du auf der Halbinsel bist, merkst du, dass die Uhren hier anders ticken.
Egal wo du hinguckst, überall siehst du bunte Schirme am Himmel. Die Bucht von Puck (auf der Innenseite der Halbinsel) ist eines der besten Reviere für Kitesurfen und Windsurfen in ganz Europa.
Warum? Das Wasser ist hier kilometerweit nur knietief und wegen dem flachen Land pfeift der Wind hier eigentlich immer perfekt.
Fahrt mal nach Chałupy (es gibt sogar ein berühmtes polnisches Lied darüber). Hier reiht sich ein Campingplatz an den nächsten. Das ist echtes Vanlife-Feeling. Überall hängen Neoprenanzüge über den Zäunen, abends sitzen die Leute vor ihren Bullis, trinken ein Tyskie Bier und grillen.
Ich hab mich für einen Nachmittag für einen Kitesurf-Schnupperkurs angemeldet. Sagen wir mal so: Ich habe mehr Salzwasser geschluckt als ich wollte, und sah aus wie ein nasser Sack, aber es hat unglaublich Bock gemacht!
🚲 Die schönste Radtour deines Lebens
Wenn ihr nicht so die Wasserratten seid, dann schnappt euch ein Fahrrad.
Es gibt einen durchgehenden Fahrradweg von Władysławowo bis ans Ende nach Hel (ca. 35 Kilometer).
Das Geniale daran: Du fährst fast die ganze Zeit direkt am Wasser entlang, mal durch dichte Kiefernwälder, mal durch die Dünen. Weil die Halbinsel so schmal ist, hast du das Meer eigentlich immer irgendwie im Blick.
Es geht immer flach geradeaus, also auch perfekt für Familien oder Leute, die (wie ich) konditionell eher im Mittelfeld spielen. An jeder Ecke gibt es kleine Buden, wo man sich ein Eis oder frische Waffeln holen kann.
🦭 Süßigkeits-Schock im Fokarium (Robbenstation)
Ganz am Ende der Halbinsel, im Städtchen Hel, wartet das absolute Highlight für alle Tierfreunde.
Das Fokarium (die Meeresstation der Uni Danzig).
Das ist kein Zoo, sondern eine Forschungs- und Rettungsstation für Kegelrobben. Sie päppeln verletzte Tiere auf und wildern sie wieder aus.
Geht unbedingt zu den Fütterungszeiten hin! Die Pfleger machen mit den Tieren ein medizinisches Training, das aussieht wie kleine Kunststücke. Wenn so eine Robbe dich mit ihren riesigen, schwarzen Augen anguckt… da schmilzt selbst der härteste Kerl dahin, ich schwörs euch.
Der Eintritt kostet nur ein paar Zloty und das Geld geht komplett in den Schutz der Ostsee. Mega Sache!
🪖 Bunker im Wald: Polens letzte Bastion
Hel ist nicht nur Strand, sondern hat auch eine krasse militärische Vergangenheit.
Wegen der strategischen Lage war die Halbinsel früher ein absolutes Sperrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg haben die Polen hier wochenlang gegen die Übermacht ausgeharrt.
Wenn ihr durch die Kiefernwälder spaziert, stolpert ihr andauernd über riesige, verlassene Bunker und alte Geschützstellungen. Im Muzeum Obrony Wybrzeża (Museum der Küstenverteidigung) kann man sich das genauer angucken. Man läuft durch alte Bunkeranlagen im Wald rum, was teilweise echt ein bisschen unheimlich ist. Ein krasser Kontrast zu den bunten Surfschirmen am Strand!
🐟 Mein kulinarisches Fazit: Dorsch bis zum Umfallen
Am Hafen von Hel müsst ihr in eine der vielen Smażalnia Ryb (Fischbratereien) gehen.
Es gibt hier den frischesten Dorsch (Dorsz) oder Butt (Flądra), direkt vom Kutter. Ich hab mir einfach einen Fischteller mit Pommes und Krautsalat geholt, mich an die Hafenmauer gesetzt und den Booten beim Anlegen zugeguckt. Ein paar freche Möwen haben versucht mir die Pommes zu klauen, aber ich hab meinen Teller eisern verteidigt!
Hel ist der Wahnsinn. Es ist das einzigste Stückchen Polen (ja, ich weiß, „einzige“, aber ihr wisst was ich meine!), wo man dieses absolute Inselfeeling hat, ohne wirklich auf einer Insel zu sein. Wenn ihr Bock auf Aktivurlaub, frische Luft und eine unglaublich entspannte Atmosphäre habt, dann seid ihr hier goldrichtig. Wer All-Inclusive-Luxus sucht, ist hier vielleicht falsch – aber wer abends mit sandigen Füßen und einem Grinsen einschlafen will, der muss nach Hel.
Habt ihr schon mal auf einem Surfbrett gestanden? Und würdet ihr lieber auf der offenen Ostsee-Seite in die Wellen springen oder in der ruhigen Bucht chillen?
Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
Hang loose und bis bald