Kennt ihr diese Tage, wo euch alles nervt? Der Chef, der Verkehr, die ständigen WhatsApp-Nachrichten? In Polen gibt es dafür eine Lösung. Man sagt einfach: „Ich schmeiß alles hin und fahr in die Bieszczady!“ Und genau das habe ich gemacht.
Vergesst Zakopane. Vergesst die Menschenmassen am Meer. Die Bieszczady im äußersten Südosten (im Dreiländereck mit der Slowakei und der Ukraine) sind der wilde Osten. Hier ist Polen noch so, wie es vielleicht vor 50 Jahren war. Rau, wild und unfassbar schön.
Ich war vier Tage dort, um den Kopf freizubekommen. Und ich kam zurück mit dreckigen Wanderstiefeln, einem Sonnenbrand und einer inneren Ruhe, die ich lange nicht mehr hatte.
Hier ist mein Survival-Guide für Polens schönstes Ende der Welt.
⛰️ Die Poloninen: Wandern über den Wolken
Das Besondere an den Bieszczady sind die Berge. Die sehen nämlich anders aus als in den Alpen. Die sind oben nicht felsig und spitz, sondern haben riesige Grasflächen. Das nennt man Poloninen (Połoniny).
Ich bin auf die Połonina Wetlińska gewandert.
Der Aufstieg? Puh, ja, man kommt ins Schwitzen. Es geht durch dichten Buchenwald (übrigens UNESCO-Weltnaturerbe!). Aber sobald man die Baumgrenze knackt… Wow.
Du stehst da oben auf diesem grünen Teppich, der Wind pfeift dir um die Ohren (und der pfeift hier immer!), und du siehst nur endlose Weite. Keine Städte, keine Straßen, nur Hügel bis zum Horizont.
Ganz oben steht die berühmteste Berghütte Polens: Die „Chatka Puchatka“ (Pu der Bär Hütte). Die wurde gerade frisch renoviert. Früher war das eine Bruchbude ohne Strom und Wasser, heute ist es schicker, aber der Ausblick ist immer noch derselbe.
Setzt euch da ins Gras, esst eure Stulle und genießt einfach, dass ihr da seid.
Mein Tipp: Wenn ihr fit seid, nehmt euch den Tarnica vor. Das ist der höchste Gipfel. Da steht ein riesiges Eisenkreuz oben. Der Weg ist steil, aber das Gefühl oben ist unbeschreiblich.
🐻 Achtung, Bär! (Kein Witz)
Ich muss euch warnen: Das hier ist keine Parkanlage. Die Bieszczady haben die größte Population an Braunbären in Polen. Dazu kommen Wölfe, Luchse und Wisente.
Ich hab natürlich (zum Glück? leider?) keinen Bären getroffen. Aber wenn man durch die dichten Wälder läuft und es knackt im Unterholz, dann geht der Puls schon mal hoch.
Die Locals sagen: „Mach Lärm, sing was, dann hauen die ab.“ Also bin ich singend durch den Wald gelaufen. Hat wohl funktioniert, oder die Bären fanden meinen Gesang so schrecklich, dass sie geflüchtet sind. 😂
🌌 Der dunkelste Ort Polens: Sternenpark
Weil hier kaum Menschen wohnen, gibt es auch kaum Lichtverschmutzung.
Deshalb gibt es hier den Park Gwiezdnego Nieba (Park des Sternenhimmels).
In einer klaren Nacht seht ihr hier die Milchstraße so klar, als hättet ihr eine 4K-Brille auf. Ohne Teleskop, einfach mit bloßem Auge.
Ich lag abends vor meiner Hütte auf der Wiese und hab bestimmt 20 Sternschnuppen gezählt. Für Romantiker (oder Hobby-Astronomen) ist das der absolute Jackpot.
⛵ Das Bieszczady-Meer: Solina-Stausee
Nach so viel Wandern brauchte ich Wasser.
Am Rand der Berge liegt der Solina-Stausee (Jezioro Solińskie). Die Polen nennen ihn das „Bieszczady-Meer“.
Der See ist riesig und hat eine irre Form mit hunderten kleinen Buchten, weil er ein geflutetes Tal ist.
Highlight ist der Staudamm. Das ist der größte in Polen. Man kann drüberlaufen und neuerdings gibt es sogar eine Seilbahn, die über den Damm fährt! Der Blick von der Gondel auf das türkise Wasser und die grünen Berge ist mega.
Ich hab mir ein Tretboot gemietet (ja, Tretboot fahren ist cool, okay?) und bin in eine ruhige Bucht geschippert. Aber Achtung: Der See ist tief und kalt!
⛪ Verlorene Dörfer und Holzkirchen
Was die Bieszczady auch so mystisch macht, ist die Geschichte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Menschen hier zwangsumgesiedelt (Aktion Weichsel). Viele Dörfer sind einfach verschwunden. Man wandert durch den Wald und findet plötzlich alte Obstbäume oder Fundamente von Häusern, wo seit 70 Jahren niemand mehr wohnt. Das ist schon ein bisschen spooky.
Was geblieben ist, sind die wunderschönen alten Holzkirchen (Tserkvas).
Die sehen mit ihren Zwiebeltürmen ganz anders aus als unsere Kirchen. Viele sind UNESCO-Erbe. Fahrt mal nach Smolnik oder Turzańsk. Die riechen drinnen nach altem Holz und Weihrauch. Selbst wenn man nicht gläubig ist, spürt man da eine besondere Atmosphäre.
🍺 Ursa Maior: Das Bären-Bier
Zum Abschluss noch was für den Gaumen.
In Uherce Mineralne gibt es eine lokale Brauerei: Ursa Maior (Der Große Bär).
Die machen richtig gutes Craft Beer. Die Etiketten sind kleine Kunstwerke und das Bier schmeckt nach der Region (glaube ich zumindest).
Es gibt da auch eine Kunstgalerie und man kann lokale Produkte kaufen. Ich hab mir Honig mitgenommen, der hier wohl besonders gut ist, weil die Bienen so viel Platz haben.
🎒 Nur für Naturburschen (und -mädels)!
Seien wir ehrlich: Wer Shopping-Malls, 5-Sterne-Hotels und Party sucht, ist in den Bieszczady falsch. Fahrt dann lieber nach Krakau oder Danzig.
Aber wer mal wirklich raus will. Wer Stille sucht, wer Lagerfeuer liebt und wen es nicht stört, wenn das Handynetz mal weg ist – der wird diesen Ort lieben.
Es ist für mich der authentischste Teil Polens. Rau, herzlich und wunderschön.
Habt ihr schon mal was von den Bieszczady gehört? Oder ist das Neuland für euch?
Schreibt es mir in die Kommentare – aber erwartet keine sofortige Antwort, ich bin gedanklich noch im Funkloch! 😉