Das „kleine Krakau“ ohne Touristen-Massen: Warum Lublin mein geheimer City-Liebling ist!

Okay, Hand hoch: Wer von euch war schon mal in Lublin?
Ich sehe keine Hände. Genau das dachte ich mir!
Und genau das ist der Grund, warum ihr diesen Artikel lesen müsst. Wenn ihr Krakau liebt, aber keinen Bock habt, euch mit 5.000 anderen Leuten über den Marktplatz zu schieben, dann ist Lublin eure neue Liebe. Versprochen.
Ich bin am Wochenende mal spontan in den Osten Polens gefahren (ist gar nicht so weit, wie man denkt!) und bin völlig geflasht zurückgekommen. Lublin hat diesen morbiden Charme, diese engen Gassen, dieses unglaubliche Licht – aber es fühlt sich noch an wie eine echte Stadt, nicht wie ein Freilichtmuseum.

Hier ist mein Plädoyer für die unterschätzteste Stadt östlich der Weichsel!

🧱 Die Altstadt: Gassen zum Verlieben (und Verlaufen)

Der Einstieg ist das Krakauer Tor (Brama Krakowska). Sobald du da durchläufst, bist du in einer anderen Zeit. Die Altstadt von Lublin ist viel kleiner als die von Krakau, aber irgendwie… „kuscheliger“. Die Häuserfassaden sind bunt, manche blättern ein bisschen ab, was dem Ganzen extrem viel Charakter gibt. Ich habe mich einfach treiben lassen. Es geht bergauf und bergab (gutes Wadentraining!), durch enge Durchgänge und versteckte Hinterhöfe.

Mein Magic Moment: Ich saß auf dem Marktplatz (Rynek) in einem Café, hab mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und die alten Renaissance-Bürgerhäuser angeguckt. Anders als in anderen Städten wohnen hier noch normale Leute. Über dir hängt Wäsche zum Trocknen, eine Oma guckt aus dem Fenster… das ist authentisch, Leute!

🎨 Das Schloss und der „Wow“-Effekt in der Kapelle

Am Rand der Altstadt thront das Lubliner Schloss. Sieht von außen schon mächtig aus mit seiner neogotischen Fassade.

Aber das wirkliche Juwel – und ich benutze dieses Wort selten – versteckt sich im Innenhof: Die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit.

Ihr müsst da rein. Unbedingt.

Von außen sieht sie unscheinbar aus. Aber drinnen sind die Wände komplett bedeckt mit byzantinischen Fresken. Das ist total verrückt: Eine römisch-katholische Architektur, aber innen bemalt wie eine orthodoxe Kirche im Osten. Das zeigt perfekt, was Lublin immer war: Die Brücke zwischen West und Ost.

Ich stand da drin und hab mir fast den Nacken verrenkt, weil ich nicht aufhören konnte, an die Decke zu starren.

🧅 Cebularz: Der Snack, den ihr probieren müsst

Krakau hat den Obwarzanek (den Kringel), Posen hat das Martinshörnchen. Und Lublin?
Lublin hat den Cebularz.
Das ist ein runder Weizenfladen, belegt mit Zwiebeln und Mohn. Klingt simpel? Ist es auch. Aber es schmeckt göttlich, besonders wenn es noch warm ist. Es gibt sogar ein eigenes Cebularz-Museum, wo man lernt, wie die gemacht werden (die Legende besagt, es kommt aus der jüdischen Küche der Stadt).

Geht einfach in irgendeine Bäckerei morgens, kauft euch einen für umgerechnet 80 Cent und ihr habt das beste Frühstück to go. Aber Vorsicht: Man riecht danach ein bisschen nach Zwiebel. Knutscht also lieber vorher oder sorgt dafür, dass euer Partner auch einen isst! 😉

🍻 Studentenszene & Perła-Bier

Lublin ist eine riesige Universitätsstadt. Das merkt man sofort an der Energie (und den Preisen!). Abends wird die Altstadt zur Party-Zone, aber auf eine entspannte Art.
Ihr müsst unbedingt das lokale Bier probieren: Perła (Perle). Das ist in ganz Polen Kult, kommt aber von hier. Am besten schmeckt es in der Perłowa Pijalnia Piwa. Das ist das Brauerei-Lokal. Die Architektur von dem Laden ist mega stylisch, ganz viel Glas und Kupfer, und das Essen dort ist „Biergarten 2.0“. Ich hatte ein Slow-Food-Gericht mit lokalen Zutaten, das perfekt zum Hopfen gepasst hat.

🎭 Das Festival der Magier

Ein kleiner Tipp für den Sommer: Wenn ihr im Juli/August fahrt, geratet ihr vielleicht in den Carnaval Sztukmistrzów (Karneval der Magier).
Dann ist die ganze Stadt voll mit Straßenkünstlern, Akrobaten und Feuerschluckern.
Das Krasseste: Über den Marktplatz sind Highlines gespannt, und da oben balancieren Leute drüber, während du unten dein Bier trinkst. Ich hab beim zugucken schon schwitzige Hände bekommen, aber die Atmosphäre ist elektrisierend.

🕯️ Geschichte, die unter die Haut geht

Man kann Lublin nicht besuchen, ohne die ernste Seite zu sehen. Lublin war vor dem Krieg ein Zentrum des jüdischen Lebens in Polen, man nannte es das „Jerusalem des Königreichs Polen“. Geht zum Grodzka-Tor. Dort ist das Zentrum „Brama Grodzka – Teatr NN“. Die machen eine unglaublich wichtige Arbeit, um die Erinnerung an das jüdische Viertel, das die Nazis komplett zerstört haben, wachzuhalten. Es ist berührend und wichtig, sich darauf einzulassen.

Und wer starke Nerven hat: Das ehemalige KZ Majdanek liegt direkt am Stadtrand. Es ist eines der am besten erhaltenen Gedenkstätten. Es ist harter Tobak, sehr bedrückend, aber es gehört zur Geschichte dazu.

Auf in den Osten!

Warum also Lublin?
Weil es entschleunigt. Weil es günstiger ist als Warschau oder Danzig. Und weil es diesen unverwechselbaren Mix aus westlicher Architektur und östlicher Seele hat.
Ich habe mich in diese Stadt ein bisschen verknallt, weil sie nicht so „perfekt“ ist. Sie hat Ecken und Kanten, und genau das macht sie spannend.Also, traut euch in den Osten! Esst einen Cebularz für mich mit.Wart ihr schon mal östlich der Weichsel? Oder hört eure Polen-Karte in Warschau auf? Schreibt’s mir