Leute, ich muss mich entschuldigen. Ich habe Łódź immer unrecht getan. Wenn früher jemand „Łódź“ gesagt hat, dachte ich an qualmende Schornsteine, graue Fassaden und Langeweile. Ich dachte, da will doch keiner freiwillig hin, außer er muss beruflich Textilien kaufen.
Tja. Ich war am Wochenende da. Und ich stand mit offenem Mund vor staunenden Backstein-Fabriken und hab mir gedacht: „Alter, warum hat mir das keiner früher erzählt?!“
Łódź ist nicht „hübsch“ wie Krakau. Es ist rau, es ist ehrlich, und es ist verdammt cool. Es ist das polnische Manchester, das gerade seinen zweiten Frühling erlebt. Wenn ihr auf Industrial-Chic, Streetart und Orte steht, die eine Geschichte erzählen, dann ist das hier euer Mekka.
Hier ist mein Bericht aus der Stadt, deren Namen keiner aussprechen kann (es heißt Wuudsch, merkt euch das!).
🧱 Manufaktura: Shoppen in der Textil-Hölle (die jetzt ein Himmel ist)
Fangen wir mit dem Wahrzeichen an: Die Manufaktura. Früher war das eine gigantische Textilfabrik von einem Tycoon namens Izrael Poznański. Tausende Arbeiter haben hier geschuftet.
Heute? Heute ist es das wohl abgefahrenste Einkaufs- und Kulturzentrum, das ich je gesehen habe. Stellt euch ein riesiges Areal vor, komplett aus rotem Backstein. Es ist eine Stadt in der Stadt. Da ist ein Einkaufszentrum drin, ja (hab mir direkt neue Sneaker gegönnt), aber auch Museen, ein Kino, ein Hotel und dutzende Restaurants.
Im Sommer ist der riesige Platz davor ein Strand mit Liegestühlen, im Winter eine Eislaufbahn. Ich saß da abends bei einem Burger, hab auf die beleuchteten Backsteinfassaden geguckt und diesen Vibe aufgesaugt. Das ist Industriekultur par excellence. Viel besser als jedes sterile Shopping-Center am Stadtrand.
Tipp: Geht unbedingt ins Museum der Fabrik (Muzeum Fabryki) dort auf dem Gelände. Da sieht man, wie laut und hart das Leben früher hier war. Das erdet einen total, wenn man gerade mit seiner Shopping-Tüte da rauskommt.
🚶♂️ Piotrkowska: Die längste Party-Meile Polens?
Kommen wir zur Ulica Piotrkowska. Das ist das Rückgrat der Stadt. Über vier Kilometer lang! Und vollgepackt mit Leben. Das Coole ist: Hier fahren keine Autos, nur Fahrrad-Rikschas (die „Rickschas“ sind hier Kult, lasst euch mal für nen schmalen Taler kutschieren!). Links und rechts stehen wunderschöne alte Mietshäuser, manche top saniert, manche bröckeln noch charmant vor sich hin.
Aber das wirkliche Leben findet in den Hinterhöfen statt. Geht mal in OFF Piotrkowska (Piotrkowska 138/140). Das ist ein altes Fabrikgelände, das jetzt voller Bars, Food-Trucks und Design-Läden ist. Ich hab da in einer ehemaligen Baumwollspinnerei Craft Beer getrunken und Leuten beim Salsa-Tanzen auf der Straße zugeschaut. Die Atmosphäre ist null touristisch, sondern total lokal und entspannt. Hier treffen sich die Studenten der berühmten Filmhochschule (wo übrigens auch Roman Polański studiert hat).
Achtung: Guckt auf den Boden! Die Piotrkowska hat ihren eigenen „Walk of Fame“ mit Sternen für berühmte polnische Schauspieler und Regisseure.
🐘 Elefanten überm Kopf: Das Orientarium
Okay, genug alte Steine. Jetzt wird’s wild. Łódź hat seit kurzem eine neue Attraktion, die alle Rekorde bricht: Das Orientarium im Zoo. Ich bin eigentlich kritisch bei Zoos, aber das Ding ist der Wahnsinn. Es ist eine riesige Halle, die den Dschungel von Südostasien nachbaut. Das Highlight ist der Unterwassertunnel. Du läufst da durch, und über dir schwimmen Elefanten. Kein Witz! Ich hab einem Elefanten von unten auf den Bauch geguckt, während er baden ging. Dazu schwimmen da Haie und Rochen rum. Die Luftfeuchtigkeit da drin ist krass, man schwitzt wie im Dschungel, aber es lohnt sich. Plant dafür mindestens einen halben Tag ein, das Gelände ist riesig.
🎨 Die Stadt der Wandgemälde (Murals)
Wenn ihr durch Łódź lauft: Kopf hoch! Die Stadt ist weltberühmt für ihre Murals. Das sind riesige Gemälde an den Hauswänden. Es gibt über 150 davon! Manche sind politisch, manche einfach nur schön, und manche riesig groß. Es gibt eins vom „Hexer“ (The Witcher), weil der Autor Andrzej Sapkowski aus Łódź kommt. Das Ding ist über 70 Meter hoch! Es ist wie eine kostenlose Open-Air-Galerie. Ich hab mir eine Karte aus der Touri-Info geholt und bin zwei Stunden lang nur von Wand zu Wand gelaufen. Viel besser als jedes Museum, wo man leise sein muss.
🧵 Księży Młyn: Zeitreise ins 19. Jahrhundert
Wenn ihr sehen wollt, wie die Arbeiter früher gewohnt haben, fahrt nach Księży Młyn (Pfaffenmühle). Das ist eine alte Arbeitersiedlung, auch aus rotem Backstein. Alles sieht gleich aus, lange Reihenhäuser, alte Schule, alter Konsum. Es wirkt wie eine Filmkulisse. Manche Häuser sind jetzt schicke Lofts, in anderen wohnen noch ganz normale Leute. Es ist sehr ruhig dort, sehr grün. Ein toller Kontrast zum Trubel auf der Piotrkowska.
Gebt dem „hässlichen Entlein“ eine Chance!
Łódź hat mich echt umgehauen. Es ist diese Energie des Wandels. Überall wird gebaut, saniert, Altes wird zu Neuem gemacht. Es ist keine Stadt, die sich für Touristen hübsch macht. Sie ist einfach so. Und genau das macht sie so spannend. Wer Berlin mag, wird Łódź lieben. Und das Beste: Es ist immer noch viel günstiger als Warschau oder Danzig. Also, traut euch! Fahrt hin, esst einen Burger im OFF Piotrkowska und grüßt die Elefanten von mir. Wart ihr schon mal in einer Stadt, die euch erst auf den zweiten Blick überzeugt hat? Schreibt mir mal in die Kommentare!
Bis zum nächsten Abenteuer